
24.06.26 –
Es gilt das gesprochene Wort.
Sehr geehrter Herr Vorsitzender, sehr geehrte Damen und Herren,
vor gut einem Jahr haben wir diese Diskussion bereits geführt. Damals haben wir die Argumente gehört. Damals haben wir die Fakten abgewogen. Und damals sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass wir eine pauschale Ausweitung der nächtlichen Straßenbeleuchtung nicht für den richtigen Weg halten.
Für unsere Fraktion hat sich daran bis heute nichts geändert. Denn die Faktenlage hat sich nicht verändert. Deshalb sehe ich auch keinen sachlichen Grund, unsere Bewertung zu verändern.
Die eigentliche Frage heute lautet für mich: Welches Problem wollen wir eigentlich lösen?
Die Kompass-Befragung hat gezeigt, dass Menschen an einzelnen Orten Verbesserungsbedarf bei der Beleuchtung sehen. Sie hat aber nicht gezeigt, dass Münster ein besonderes Kriminalitätsprobelm hat. Wir haben keine Kriminalitäts-Hotspots. Wir haben keine Erkenntnisse über eine besondere Gefährdungslage. Was wir haben, sind einzelne Orte, an denen sich Menschen mehr Beleuchtung wünschen. Nicht, weil dort nachweislich mehr Kriminalität herrscht, sondern weil sie sich dort wohler und sicherer fühlen würden. Und das ist ein wichtiger Unterschied. Denn Sicherheit und Sicherheitsgefühl sind nicht dasselbe. Beides sollte man einst nehmen. Aber beides verlangt nicht automatisch dieselbe Lösung.
Den Ihr Antrag, liebe Kolleginnen und Kollegen von CDU & Klar, sieht vor, künftig sämtliche Straßenlaternen in Münster, Altheim und Breitefeld die ganze Nacht eingeschaltet zu lassen. Überall. Pauschal.
Ist das wirklich die beste Lösung? Jeder Mensch soll sich in Münster, Altheim und Breitefeld sicher fühlen. Egal ob auf dem Heimweg, zur Bushaltestelle oder beim abendlichen Spaziergang. Wenn wir über tatsächliche Sicherheit reden, gibt es keinen belegten Handlungsdruck. Und wenn wir möchten, dass sich Menschen sicherer “fühlen”, dann sollten wir prüfen, ob es intelligentere Lösungen gibt als pauschal überall das Licht anzulassen.
Und ich finde: Das ist ein legitimes Ziel. Vielleicht hätten wir genau darüber schon vor einem Jahr intensiver sprechen müssen, als nur über Licht an oder Licht aus. Wenn also unser Ziel ist, den Menschen in unserer Gemeinde dieses Unsicherheitsgefühl zu nehmen, dann sollten wir überlegen, wie wir dieses Ziel so erreichen können, dass es im Einklang mit Mensch und Natur geschieht und vor allem auch wirtschaftlich richtig ist. Und das kann dieser Antrag nicht leisten.
Bereits bei der ersten Beratung haben wir deshalb darauf gedrungen, nicht nur die Kosten zu betrachten. Wir wollten wissen, welche Auswirkungen zusätzliche Beleuchtung auf Umwelt und Natur hat. Wir wollten wissen, welche Alternativen es gibt. Denn wir reden hier nicht nur über Stromkosten. Wir reden auch über Lichtverschmutzung. Über Auswirkungen auf Insekten, Vögel und Fledermäuse. Und darüber, wie wir als Gemeinde verantwortungsvoll mit unseren Ressourcen umgehen. Die Verwaltung hat die Kosten sehr transparent dargestellt. Um die derzeit nachts abgeschalteten 110 Straßenlaternen dauerhaft zu betreiben, wären einmalige Umrüstungskosten von rund 8.000 Euro notwendig. Hinzu kommen jährliche Mehrkosten von knapp 2.000 Euro.
Die Frage ist also nicht, ob wir uns das leisten können. Die eigentlich Frage lautet: Bekommen wir für dieses Geld die Lösung, die wir langfristig wollen? Oder investieren wir heurein eine Maßnahme, die wir in einigen Jahren wieder durch eine modernere Lösung ersetzen müssen. Wollen wir dauerhaft mehr Energie verbrauchen, um überall das Licht anzulassen? Oder wollen wir prüfen, ob wir dieselben Ziele intelligenter erreichen können?
Verstehen Sie mich nicht falsch: Wenn Sie der Auffassung sind, dass das pauschale Einschalten aller Straßenlaternen der richtige Weg ist, können sie das heute selbstverständlich beschließen. Die Kosten liegen auf dem Tisch und die technische Umsetzung ist bekannt. Daran wird es nicht scheitern.
Die entscheidende Frage ist für mich aber: Reicht uns das? Genau hier kommt für mich ein Aspekt ins Spiel, der in der bisherigen Diskussion noch zu wenig betrachtet wurde. Es gibt mittlerweile Förderprogramme für smarte Kommunen aus dem Programm Starke Heimat Hessen mit Förderquoten von bis zu 90 Prozent. Damit könnten moderne Beleuchtungskonzepte geprüft werden. Zum Beispiel intelligente Steuerungen. Bedarfsgerechte Beleuchtung.
Oder gezielte Maßnahmen an den Orten, die von Bürgerinnen und Bürgern tatsächlich benannt wurden. Also Lösungen, die gleichzeitig
* das Sicherheitsgefühl verbessern,
* Energie sparen,
* Lichtverschmutzung reduzieren
* und langfristig Betriebskosten senken.
Und alleine die komplette Umrüstung der bisher nächtlich ausgeschalteten Straßenlaternen auf LED würde den Energieverbrauch so senken, dass wir im Jahr die Kosten auf knapp 525 Euro senken könnten - entgegen den eben erwähnten knapp 2.000 Euro jährlich.
Ja, liebe Kolleginnen und Kollegen, Sie schlagen eine Lösung vor, die einfach zu beschließen ist und kurzfristig umgesetzt werden kann. Aber die aus unserer Sicht keine Lösung ist, die Sicherheit, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit zusammenbringt. Deshalb können wir dem Antrag in seiner jetzigen Form nicht zustimmen.
Wir wären aber bereit, das Thema erneut im Ausschuss zu beraten und dabei zu prüfen, ob es für Münster, Altheim und Breitefeld eine moderne, intelligente und förderfähige Gesamtlösung gibt.
Denn die Menschen erwarten von uns nicht nur schnelle Entscheidungen. Sie erwarten von uns gute Entscheidungen. Und genau darum sollte es heute gehen.
Herzlichen Dank!
private Tischreservierung im SV-Sommergarten
mit Claudia Weber, Kandidatin für die Bürgermeisterwahl
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